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Deutschland

Die deutschen Anleihen auf Roggen, Kohle, Holz oder Goldmark
wertbeständige Anleihen (mit freundlicher Genehmigung von Prof. E. Wanner)

Anleihen werden normalerweise auf die Inlandswährung eines Landes ausgegeben, also auf Reichsmark, Deutsche Mark, Dollar, Franken...
Wenn aber die Inlandswährung nichts mehr wert ist und deshalb eine solche Anleihe auch niemand mehr kaufen würde, dann muß ein anderer Wert dahinterstecken - Naturalien! So war es in der Zeit der deutschen Hyperinflation 1924.
Die bekanntesten Naturalanleihen sind die "Roggenpfandbriefe der Schlesischen Landschaft".
Die enorm hohen und erpressten Reparationszahlungen Deutschlands an die Siegermächte des Weltkrieges I nämlich Frankreich, Belgien und England plünderten die deutsche Industrie und den Staat. Der verlorene Weltkrieg hinterließ einen bankroten Staat, da die Kriegskosten über 90% mit Anleihen finanziert worden. Vor dem Weltkrieg I betrugen die langfristigen Anleiheschulden des deutschen Reiches ca. 5 Milliarden Mark, am Ende des Krieges waren es ca. 72 Milliarden Mark. Die kurzfristigen Schulden betrugen ca. 55 Milliarden Mark (sogenannte schwebende Reichsschuld). Die langfristigen Schulden konnten beträchtlich abgebaut werden, die kurzfristigen Schulden stiegen bis Ende 1923 auf über 190 Milliardern Mark. (Allerdings ein "kleiner" Betrag verglichen zu den Schulden der heutigen Bundesrepublik Deutschland).
Die Entwicklung der Reichsschulden 1913-1923
Jahr Anleihen
(Mrd. Mark)
Schwebende Reichsschuld
(Mrd. Mark)
1913 4,8  
1914 4,9  
1915 9,5 7,2
1917 50,3 -
1918 72 18,7
1920 93 91,6
1922 65,7 272
1923 59,6 6.600
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Bestell-Nr.: D241a
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Die Reparationsleistungen erfolgten zunächst in Waren, dann als Gold oder Devisen. Um in Gold oder Devisen bezahlen zu können, mußte Deutschland zu jedem Preis Gold oder Devisen einkaufen. (Das war natürlich von Frankreich oder England so gewollt, denn Deutschland sollte für immer und ewig in die Knie gezwungen werden). Als 1922 die Siegermächte unnachgiebig ihre Forderungen eintrieben, stieg z.B. der Dollarkurs von 4,40 Mark auf 7.525 Mark im Jahre 1922.
Als Deutschland diese Zahlungen nicht mehr leisten konnte, besetzten die Franzosen und Belgier das Ruhrgebiet. Daraufhin stieg der Wechselkurs auf 4.200.000.000.000 Mark für einen Dollar.
Dies führte zu einer Hyperinflation unvorstellbaren Ausmaßes.
Die Löhne und Gehälter waren schon bei der Auszahlung nichts mehr wert. Ein Brot, das um 14:00 Uhr noch 100.000 Mark gekostet hatte, kostete um 16:00 bereits 500.000 Mark. Deshalb mußte enorm viel Geld gedruckt werden. Ende 1923 waren mit dem Gelddrucken 30 Papierfabriken und 133 Druckerein beschäftigt.
Kredite aufzunehmen um z.B. ein Haus zu bauen, war nicht mehr möglich, weil das Geld wenige Stunden nach der Vertragsunterzeichnung nichts mehr wert war.
Auch die Landwirtschaft war betroffen. Bauern wollten ihre wertbeständige Ernte nicht gegen wertloses Geld abgeben. Deshalb brachte die Staatliche Kreditanstalt Oldenburg ein auf "kg-Roggen" lautende Anleihe heraus. Jedes dieser Stücke lautete auf 125 Kg Roggen, waren unverzinslich und nach 5 Jahren mit 125 kg Roggen rückzahlbar.
Die Reichsbank war gegendiese Natural-Anleihen. Erst als die enormen Gewinne der Mark-Dollar Spekulation auch zu den Beamten durchdrang - weil in der Presse veröffentlicht - änderte die Reichsbank ihre Haltung.
 
Rechenbeispiel des Spekulationsgewinns durch die deutsche Inflation
Bush kauft am US-$ Anzahl Mark pro 1$ Bush zahlt Mark in Millionen Bush zahlt Anleihe zurück in $ Gewinn in $
1.1.1922 100.000 186,75 18.675,00  
1.4.1922 100.000 209,00 29.800,00 62.667,00 37.383,00
1.7.1922 100.000 402,00 40,200,00 74.129,00 25.871,00
1.10.1922 100.000 1.815,00 181.500,00 22.148,00 77.852,00
2.1.1923 100.000 7.250,00 725.000,00 25.034,00 74.966,00
3.4.1923 100.000 21.000,00 2.100.000,00 34.360,00 65.640.00
30.5.1923 verkauft     35.166,00 64.834,00
Gesamtgewinn 346.834,00 $
Mit dem Gesetz über die Sicherung einer wertbeständigen Anleihe vom 14.8.1923 wurde die Grundlage für die Goldmark-Anleihe gelegt. Eine Goldmark = 10/42 US-$.
Die Anleihe konnte mit der wertlosen Mark erworben werden und war auch in sehr kleinen Stückelungen (1/10,1/4,1/2,1,2,5 US-$) erhältlich und diente damit als Notgeld. Nicht nur das Reich, auch Kommunen und Firmen machten von wertbeständigen Anleihen nun Gebrauch: Holz, Braunkohle, Kilowatt, Benzol, Brikett,...
Mit der erfolgreichen Stabilisierung der deutschen Währung im November 1924 verloren die Sachwertanleihen ihre Bedeutung. Die letzten Anleihen dürften 1941 eingelöst wurden sein - z.B. auch die Schlesischen Roggenpfandbriefe. Die Anleihen mußten bei der Einlösung vernichtet werden; wo kamen aber dann die effektiven Stücke noch her? Z.B. hat der Krieg eine Einlösung verhindert oder das emittierende Unternehmen ging Konkurs.
Im Rahmen des landwirtschaftlichen Entschuldungsverfahrens 1934 wurden die Roggenanleihen auf Reichsmark umgestellt. Ein Zentner Roggen war dann 7.500 RM wert.
Goldpfandbrief sachsen
Goldpfandbrief Landschaft Sachsen
Bestell-Nr.: D144
  Anleihe Volksstaat Hessen
Anleihe Volksstaat Hessen
Bestell-Nr.: D463p
Eine Einheit=1t Braunkohle, 50kg Roggen
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