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Emder Heringsfischerei
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| Die Fischerei wurde am 30.6.1872 aufgenommen. Das erste Fangschiff fing 113 t Hering. Es gab
aber auch Enttäuschungen, besonders von der Aktionärsseite. Am Jahresende 1872 waren nur 451
Aktien voll eingezahlt. 549 Aktien waren nur teilweise eingezahlt. Statt 100.000 Thaler,
waren nur 83.400 Thaler in der Kasse. Außerdem fehlte es an schiffahrtskundigen Seeleuten, was
allerdings seltsam erscheint. Es fehlte aber auch an Frauen, die das Netzsticken und -reparieren
besorgen sollten. Traditionell war es die Aufgabe von Frauen gewesen, die in den
Fanggründen zerrissenen Netze wieder zu flicken, wie es auch Max Liebermann 1894 in der
Radierung "Netzflickerinnen" festgehalten hat. Bis zu 11,5 Stunden saßen die Netzflickerinnen
z. B. während der Wintermonate, da die Heringslogger von Juni bis November in den
Fanggebieten unterwegs waren, in kalten Räumen, um die etwa 30 Meter langen Netze,
die zusammen als Netzbank eine Länge von 4 Kilometern erreichen konnten, per Hand zu reparieren.
Auch die Heringsfänge gingen zurück.
Trotzdem wurde eine Dividende von 2.75% bezahlt. Um Geld in die Kasse zu bringen, wurde eine zweite Aktienausgabe von 100.000 Thalern zu 1.000 Aktien beschlossen. Die erste Aktienausgabe war zwar inzwischen vollständig einbezahlt, von der zweiten wurden aber nur 431 Aktien verkauft. Anstelle von 200.000 Thalern, standen somit nur 143.000 Thaler zur Verfügung. 1875 gab es den ersten Verlust. Zur Rettung der Gesellschaft, gab der preußische Staat ein unkündbares Darlehen von 150.000 Mark. Danach gingen die Geschäfte gut. Das Darlehen wurde sogar 1893 zurückgezahlt. Durch die guten Erfolge des Fischfangs beflügelt, wurden zwei weitere Fischereien gegründet. 1899 die "Heringsfischerei Dollart AG" und 1904 die "Große Kurfürst Heringsfischerei AG". An beiden Neugründungen war die "Emder" beteiligt. |
![]() Aktie der Leerer Heringsfischerei |
| Während des Weltkrieges I ruhte der Fischfang und wurde erst im August 1919 wieder aufgenommen.
1921 erfolgte eine Kapitalerhöhung auf 2 Millionen Mark. Nach der Inflation wurde das
Grundkapital auf 800.000 RM herabgesetzt (2000 Aktien/400 RM). Vegesack, Emden, Leer, Elsfleth, Brake, Nordenham, Bremerhaven - für sie alle bedeutete »König Hering« pulsierendes Treiben an den Kajen, Profil für die örtliche Wirtschaft und Existenzmöglichkeiten für die Menschen bis nach Ostfriesland und entlang der Weser. 1930 waren beim Arbeitsamt Nienburg zeitweise 1000 Heringsfänger gemeldet, in Windheim über 500. Die Kapitäne der Heringslogger kamen traditionell aus dem Raum Minden, Schaumburg und aus Bückeburg. Den Hering zu fangen und an Land weiterzuverarbeiten war schwerste körperliche Arbeit, von den Jantjes, den Seeleuten an Bord der Logger, oft im Akkord verrichtet. 100 Arbeitsstunden in der Woche auf See waren keine Seltenheit. Im Weltkrieg II ruhte ebenfalls der Fischfang. Die Boote wurden als Kriegshilfsschiffe (Vorposten, Hafenschutz) eingesetzt. Dabei gingen von ursprünglich 82 Schiffen 20 verloren. Im November 1945 wurden in Emden und Leer wieder je 3 Schiffe eingesetzt. Im September 1961 fusionierten die 3 großen Heringsfischerein - "Emder Heringsfischerei", "Großer Kurfürst" und "Leerer Heringsfischerei" - und wandelten sich in eine GmbH um. Im März 1969 wurde der Sitz von Emden nach Bremerhaven verlegt. Im Geschäftsjahr 1969 betrugen die Verluste über 4 Millionen DM. Am 17.1.1975 erfolgte die Liquidation. Das Auftreten des Herings an den Küsten der Nordseeländer in Schwärmen von Millionen Tieren hat immer verwundert und fasziniert und ließ ihn zu einem besonderen Forschungsobjekt werden. Für alle Zeiten unerschöpflich schienen seine Bestände und waren es dann letztlich doch nicht. Die Verarbeitung des Herings an Bord, das Kehlen und Salzen, wurde von 1872 bis 1976 unverändert beibehalten und als Qualitätsmerkmal für den Matjes sogar höchstrichterlich festgeschrieben. Wenn auch die Loggerfischerei in der Regel rückständiger war als die Dampferfischerei, so spiegeln sich in ihrer Geschichte dennoch auch einhundert Jahre Technikgeschichte wider. Die Entwicklung der Fischereigesellschaften ist eingebunden in ein Jahrhundert politischer Geschichte des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches und der Bundesrepublik. Die Gründung der Firmen als Aktiengesellschaften war ausschließlich durch das Gewinnstreben der Aktionäre motiviert. Das konnte die Fischerei allein nicht befriedigen. Entscheidend für die Gründung zahlreicher Heringsfischereigesellschaften in den zwanzig Jahren vor Beginn des Ersten Weltkrieges war die Subventionspolitik der Reichsregierung, die in den 1880er Jahren einsetzte und die noch gerade rechtzeitig die in Schwierigkeiten geratene, 1872 gegründete Emder Gesellschaft rettete. Hinter dieser Subventionspolitik standen Überlegungen zur Aufrüstung und personellen Besetzung der Kriegsflotte. Von Anfang an bis zu ihrem Ende arbeiteten die deutschen Heringsfischereigesellschaften defizitär und waren auf Zuschüsse der öffentlichen Hand angewiesen. |
![]() Saisonalen Torfarbeiterinnen wurden an die Heringsfischerei AG vermittelt, zum Ausnehmen und Einlegen der Heringe. Diese Arbeit wurde ungern angenommen, da die Mädchen trotz aller Wascherei wochenlang nach Fisch rochen. |
![]() Auf dem Netzboden der Heringsfischerei |
![]() Spleißen von Reeps (Taue, Seile) und befestigen an den Netzen |
![]() Segellogger |
![]() Fischer auf einem Heringslogger |
![]() Einlegen der Heringe |
![]() Und um die geht das ganze: Heringe Über 200 Rassen kennt man von ihm. Er stellt eine der größten Fischfamilien der Welt. |
| Die Emder Heringszeittafel | |
| 1552 | Erste Erwähnung der Emder Heringsfischerei |
| 1769 | Preußisches Privileg für eine Emder Heringsfischereikompanie |
| 1798 | Auslaufen des Privilegs |
| 1810 | Auflösung der Gesellschaft |
| 1810 | Gründung von fünf privaten Fischereigesellschaften |
| 1814 | Zusammenschluss der fünf Gesellschaften zur "Großen Fischerey" |
| 1821 | Verlagerung der Gesellschaft des Kaufmanns Abegg nach Enkhuizen/ Niederlande |
| 1872 | Übersiedelung einer niederländischen Fanggesellschaft nach Emden und Neugründung als "Emder Heringsfischerei Aktien- Gesellschaft". |
| 1895 | Übersiedelung der niederländischen "Heringsfischerei- Aktiengesellschaft Neptun" nach Emden. |
| 1899 | Gründung der "Heringsfischerei Dollart-Aktien-Gesellschaft". |
| 1904 | Gründung der "Großer Kurfürst Heringsfischerei Aktien-Gesellschaft" |
| 1914 | Großbrand auf dem Gelände der "Heringsfischerei-Aktiengesellschaft Neptun" und Auflösungsbeschluss der Gesellschafter |
| 1919 | Wiederaufnahme der Fangbetriebe nach dem I. Weltkrieg |
| 1931 | Beteiligung der Unternehmen an der Deutschen Heringshandelsgesellschaft |
| 1945 | Wiederaufnahme der Fangfahrten nach dem II. Weltkrieg |
| 1948 | Übergabe der Landanlagen der Heringsfischerei Dollart AG an die Emder Heringsfischerei AG |
| 1950 | Fusion der Gesellschaften "Großer Kurfürst" und "Dollart" |
| 1955 | Übernahme der Verwaltung der Glückstädter Heringsfischerei Aktiengesellschaft |
| 1957 | Zusammenarbeit mit der "Leerer Heringsfischerei A.G." |
| 1960 | Zunahme der Krise in der deutschen Heringsfischerei |
| 1961 | Umwandlung der drei Heringsfischereien (Emder Heringsfischerei AG, Großer Kurfürst Heringsfischerei AG und Leerer Heringsfischerei AG) in Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) unter einer Geschäftsführung. |
| 1968 | Gemeinsamer Landbetrieb der drei ostfriesischen Gesellschaften am II. Hafeneinschnitt in Emden |
| 1969 | Verlegung des Firmensitzes nach Bremerhaven, Schließung der Emder Landanlage und Einstellung der Fangfahrten |
| 1975 | Offizieller Liquidationsbeschluss |
| 1976 | Ende der Liquidation |
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